Mounir Zerouali sitzt mir gegenüber, seine Sporttasche lässig neben sich abgestellt spricht er mit mir über seine Leidenschaft für das runde Leder. Ein junger Marokkaner, der die Sprache der Straße und deren Jugendlichen spricht. Die Straßenfußballlegende wuchs im Frankfurter Gallusviertel auf und kämpfte bereits in jungen Jahren um einen Platz in der oberen Riege der so genannten „Freestyler”. Dieses Jahr nahm er zum ersten Mal an der DFB-Fußballferienfreizeit der Egidius-Braun-Stiftung teil. Freizeitleiter Manfred Lotz hatte ihn auf einer Veranstaltung von „Fußball, Tor zum Lernen” kennengelernt und den 21-Jährigen nach Neukirchen eingeladen.
„Wann hast du mit dem Fußballspielen angefangen?”
„Ich bin relativ spät zum Fußballspielen gekommen. Am Anfang habe ich mich immer mit ein paar Freunden getroffen und wir kickten dann locker zusammen. Da war ich 16 Jahre alt.”
„In welchem Verein hast du gespielt?”
„SG Westend war der Verein, bei dem ich angefangen habe. Allerdings war ich da nur zwei Jahre.”
„Was findest du besser, Futsal oder das „normale” Fußballspielen und warum?”
„Mir macht Futsal mehr Spaß, weil ich da mehr Ballkontakte habe. Es wird auf einem kleinen Feld gespielt und das führt zwangsläufig dazu. Der Fußballrasen ist mir einfach zu weitläufig. Ich will viele Ballkontakte, das ist aufregender.”
„Wie bist du zum Futsal gekommen?”
„Futsal ist ja in Deutschland immer noch nicht so bekannt und als ich das erste Mal Verwandte in Holland besucht habe, kam ich mit Futsal in Berührung. In Holland ist Futsal sehr beliebt und weit verbreitet. Danach bin ich immer wieder wegen des Futsals nach Holland gereist, um dort mit meinen Verwandten zu trainieren. Am Anfang waren wir noch auf der Straße, dann durfte ich sogar bei der Jugend-Nationalmannschaft mittrainieren. Das war richtig klasse.”
„Du bist bei einem großen Sportartikelhersteller unter Vertrag, wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus?”
„Das Freestylen mache ich nur nebenberuflich, ich nehme hier regelmäßigen an Battles teil. Auf meinem Tagesplan steht sehr viel Training. Jeden Sonntag treffe ich mich dann noch mit 15-30 Jungs und Mädels auf unserem Bolzplatz. Dort kicken wir und ich gebe ihnen Tipps und Hilfestellungen, wie sie besser werden können.”
„In 10 Jahren: Wo steht Futsal hier in Deutschland?”
„Futsal wird noch populärer werden und sich verbreiten. Andere Länder sind uns hier schon um Einiges voraus. Wir werden dann aber auch eine Nationalmannschaft haben, genau so wie eine Futsal-Bundesliga.”
„Was macht einen guten Fußballer aus?” (Mounir überlegt. Und dann komme ich mit dem Schreiben kaum mit)
„Ein guter Fußballer braucht viel: Kondition, Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit. Gerade auch auf die so genannten Kleinigkeiten kommt es an: Das Drippeln muss ein guter Fußballer einfach beherrschen, genau so wie die Ballan- und abgabe. Allerdings ist es heute auch so, dass, wenn man groß rauskommen will, ein Spieler gute Connections benötigt. Das ist leider so. Natürlich darf das Talent und das taktische Mitdenken auf dem Platz auch nicht fehlen.”
„Welche Preise hast du bis jetzt errungen, bzw. welche Auszeichnungen erhalten?”
„Als ich zu einem der besten Groundmover Deutschlands gewählt wurde habe ich mich sehr gefreut. Ansonsten kann ich gar nicht so genau sagen, was ich alles schon gewonnen habe, weil mir das nicht so wichtig ist. Bei einem Freestyle Contest habe ich mal einen Satz Bälle gewonnen, die ich dann an ein Waisenhaus in Indien gespendet habe. Der Spaß steht für mich im Vordergrund, es gibt für mich Wichtigeres als Preise.”
„Was ist dir in deinem Leben wichtig?”
„Das Wichtigste ist für mich meine Familie, meine Freunde und meine Gesundheit. Wenn du nicht gesund bist, kannst du keinen Sport betreiben.”
„Was war dein bisher negativsten Erlebnis?”
„In meiner Anfangszeit habe mich bei einem großen Sportartikelhersteller als Freestyler beworben. Es war mein großer Kindheitstraum dort genommen zu werden. Der, der mich „begutachten” sollte, kam, hat mir zugeschaut und dann nur gesagt: „Junge, vergiss es, du wirst nie groß rauskommen.” Das war zunächst ziemlich hart für mich. Habe mir aber nicht lange Gedanken darüber gemacht, sondern es war dann ein sehr guter Ansporn für mich.”
„Wenn du drei Wünsche frei hättest, was würdest du dir wünschen?”
„Das ist schwierig. Vielleicht ewig jung bleiben. Oder aber die Zeit zurückzudrehen und noch viel früher mit Futsal anzufangen. Wünsche mir auch, dass ich gesund bleibe.”
„Welche Veranstaltung an der du teilgenommen hast, hat dir am besten gefallen?”
„Als in unserem Viertel der Bolzplatz eingeweiht wurde, das war eine richtig tolle Veranstaltung. Wir haben 14 Jahre warten müssen, bis wir ihn jetzt endlich bekommen haben. Im Oktober vergangenen Jahres war es soweit. Rund 500 Kinder waren bei der Einweihung dabei. Ein bekannter Sportartikelhersteller hat hier in Kooperation mit der Sozialen Stadt Gallus und dem Sportkreis Frankfurt zum Auftakt der Projektreihe “Let Me Play” (Lass mich spielen) den Bolzplatz geschaffen. Was mich auch stolz gemacht hat, war, dass auf den T-Shirts, die an die Kids verteilt wurden, mein Logo drauf war.”
„Welche Vorbilder hast du?”
„Mein sportliches Vorbild ist seit elf Jahren Zinedine Zidane. Auch, wenn er jetzt nicht mehr aktiv ist. Sein „Zidane-Roulette” ist echt klasse. Er kann sich beim Balljonglieren umziehen.”
„Das war jetzt deine erste Freizeit, an der du als Projektleiter für Fußballtricks teilgenommen hast, wie war das für dich?”
„Das war für mich eine tolle Erfahrung. Sonntags auf unserem Bolzplatz kenne ich ja die Kids mit ihren Stärken und Schwächen. Hier war das anders, ich musste erst mal schauen, wie sind die Jungs und Mädchen drauf, was können sie und so. Dann habe ich mein Training entsprechend darauf abgestimmt. Es wäre toll, wenn es mehr solche Ferienfreizeiten von Seiten des DFB für die Kinder gäbe. Es ist echt eine tolle Sache und ich würde beim nächsten Mal gerne wieder dabei sein.”
„Wo siehst du dich in drei Jahren?”
Mounir grinst: „Ich sehe mich als Futsalnationalspieler in Deutschland.”
Ich bedanke und verabschiede mich von einem jungen Mann, der die Augen der DFB-Fußballfreizeit-Kinder mit seinem Ballzauber zum Leuchten gebracht hat.
Meike Lotz




